Langsamkeit und Lust am Schreiben

von macchiato

Release early, release often!

Geben Sie Ihre Texte früh frei, und oft! So hatte mich John schon zu Beginn des Jahres im ersten Gespräch in Cambridge vor Perfektionismus gewarnt: The best is the enemy of the good, das Beste ist der Feind des Guten, auch beim akademischen Fortschritt. Also schreiben Sie erst mal drauflos und trennen Sie sich viel schneller und öfter von Ihren Texten als Sie eigentlich mögen, und lassen Sie sich selbst und andere dann nach einer Pause wieder kritisch drübergehen, und nicht erst im nachhinein. Graham Greene sei mit dem Schreiben von nur 250 Worten täglich aus- und weitergekommen, dieses Minimum habe er aber genauso eisern und regelmäßig durchgezogen wie ein anderer Dichterkollege, der sich auf 20 Minuten tägliche Schreibzeit beschränkte, diese aber strikt.

John war es, der mir nahegelegte, diesen Blog zu meiner kleinen Forschungs- und Fellow-Erfahrung zu eröffnen, einen idea blog über mein work in progress oder über was auch immer mir hier bemerkenswert vorkommt, und zwar hauptsächlichfür mich selbst.

Als Kür, nicht als Pflicht sollte ich mir das im Interesse meines Projekts zur Gewohnheit werden lassen. Dagegen hat sich in mir einiges gesträubt, denn ich weiß, wie lange ich über allem Schriftlichen brüte, noch dazu, wenn schon, eher nachts dazu inspiriert als tagsüber. Tatsächlich nimmt das Schreiben dieser Beiträge noch unverhältnismäßig viel Zeit in Anspruch, und die fehlt mir dann zum Forschen.

Mit einer gewissen Entschlossenheit habe ich mich überzeugen müssen, dass dieses Schreiben hier nützlich sei, um Gedanken sowie genius loci hier zu verarbeiten und festzuhalten. Dass es hilft, das besondere zeitgeschichtliche Interesse, das sich in mir seit gut zehn Jahren entwickelt hat, zu vertiefen, vorrangig durch den hier besonders lehrreichen sprachlich-kulturellen Perspektivenwechsel. Und jetzt kann ich sagen: Heureka, die Selbstüberwindung gelingt nun täglich bzw. nächtlich!

Allerdings wehrt er sich immer noch stundenlang, der innere Schweinehund, der perfektionistisch feilende, bis er mir diese kleinen Tage- und Nachtbucheinträge freigibt. Eine liebe Gewohnheit ist mir das noch nicht geworden. Eine ernste schon. Man muss ja nicht immer auf Pausenclown machen. Unter dem Motto „Faschisten sind immer die anderen“ wird nicht Unterhaltung versprochen. Auch nur annähernd so „unfertig“ und locker daher zu kommen wie das zu einem angenehm kurzweiligen Weblog gehört, dazu bin ich vorerst weder imstande noch willens, und das habe ich auch nicht nötig – nicht als Führer dieses Blogs, äh Blogführer, äh Schluss jetzt…

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