What is History?

von macchiato

What is History? Wie E.H. Carr 1961 diese Frage beantwortet hat, das ist für Hunderttausende englischsprachiger Geschichtestudenten und für Historiker weltweit inzwischen Allgemeingut. Dass dem so ist, das ist hauptsächlich das Verdienst des gleichnamigen Büchleins, das bis heute fast jeder englische Geschichtestudent gelesen hat; die meisten wohl gern, denn so klar und brillant kommen Geschichtstheorien sonst selten daher. Hier zunächst drei Kernsätze:

* History is a process of interaction, a dialogue between the historian in the present and the facts in the past.

* We achieve our understanding of the past only through the eyes of the present.

* Study the historian before you begin to study the facts.

E.H. Carr (1892-1982) war ein gelernter Altphilologe und langjähriger Berufsdiplomat, der sich erst nach seiner Pensionierungim Foreign Office als Historiker einen Namen machte,danebenauch stellvertretender Chefredakteur und Leitartikler der Times wurde, und der sich außer 14 (!) nicht ganz unumstrittenen Bänden über die russische Geschichte und vielem anderen auch noch sechs Radioansprachen zur Frage aller Fragen zutraute:

„Was ist Geschichte?“

E.H.Carr beginnt seine Antwort auf die Frage „What is History?“ unter der bezeichnenden Überschrift „Der Historiker und seine Fakten„. Er weist also von Anfang an auf den individuellen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontext hin, den jede Geschichtsschreibung hat. Er betont, Geschichtsschreibung sei immer ein Zwiegespräch:

„Meine erste Antwort auf die Frage: Was ist Geschichte? lautet: Geschichte ist ein kontinuierlicher Prozess der Interaktion zwischen dem Geschichtsschreiber und seinen Fakten, ein endloses Zwiegespräch zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit.

Die Beziehung zwischen dem Historiker und seinen Fakten ist eine Beziehung der Ebenbürtigkeit, des beiderseitigen Gebens und Nehmens. Jeder Historiker kennt das in seiner Arbeit: sobald er aufhört, das, was er gerade denkt und schreibt, zu reflektieren, wird er die Tatsache an die Interpretation anpassen, und umgekehrt die Interpretation an die Tatsache. Es ist unmöglich, der einen vor der anderen den Vorrang zu geben. Der Vorgang ist reziprok: Der Historiker hat ohne seine Fakten keine Wurzeln, keinen Sinn. Und ohne ihn sind seine Fakten tot und sinnlos.“

Advertisements