Begegnung in der ersten Sonne

von macchiato

Am heutigen Sonntag kann man selbst hier in Cambridgeshire zum ersten Mal seit vier Wochen richtige Sonne genießen.

Ich sitze gerade zum ersten Mal im Freien, da rollt eine Frau vorbei.

Sie entpuppt sich als Anthropologin. Ihr post-doc-Projekt hat mit Facetten der Emigration aus Mali zu tun. Die Rollstuhlfahrerin hat mich nach der Porter’s Lodge gefragt. Sie ist gerade erst mit dem Zug aus Paris zum ersten Mal in Cambridge angekommen, nur für zwei Tage.

Wir unterhalten uns kurz über das Ergebnis der französischen Präsidentenwahl. Haben die paar Prozent, die Sarkozy gegen Hollande fehlten, auch etwas mit seiner Zappeligkeit à la Louis de Funés zu tun? Wenn’s nur das gewesen wäre…gibt sie zurück; auf jeden Fall sei der Komiker kreativer gewesen…

Clara, so heißt sie, hat hat sich um ein dreijähriges Forschungsstipendium beim hiesigen Insitut für Afrikanische Studien beworben. Morgen hat sie hier ihr entscheidendes Interview: 15 Minuten für die Solo-Vorstellung ihres Projekts, dann 45 Minuten im Gespräch. Sie hat Lampenfieber, fürchtet, ihr Englisch sei nicht gut genug. 

Sonntags hat Wolfson weniger anzubieten als werktags. Aber Vervollkommnungs-Übungen in Academic English werden auch heute angeboten. Also begleite ich Clara zu Sally, eigentlich Sinologin, ganz unprätentiös im Auftreten, umfassend gebildet und aufgeschlossen.

Letzte Woche habe auch von ihren Tipps zum Wissenschafts-Englisch profitiert, zusammen mit einer nepalesischen „Pharmazie-Ingenieurin“, wenn ich ihren Forschungsgegenstand, mit dem sie sich nun um Mitwirkung an der Sanitätsreform in Nepal bewirbt richtig verstanden habe (wahrscheinlich nicht).


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