This House believes…

von macchiato

This House Believes Britain is Still a Racist Country. No, it doesn’t

Komme gerade von der spannenden letzten Debatte der Cambridge Union Society vor der Prüfungs- und dann Sommerpause, also von der studentischen Debattiergesellschaft, in die ich mich längst eingeschrieben habe, denn sowas gefällt mir. Nach welchen traditionellen Regeln diese Wortgefechte ablaufen,  fair, kompetent, klar und oft witzig – das habe ich in einem früheren dieser Tagebucheinträge beschrieben.

This House has no Confidence in the Government’s Higher Education Policy – darüber wurde vor einer Woche debattiert und mit Aye oder Noe abgestimmt: die neuesten Erziehungsreformpläne, ein Dauerbrenner auch hier, wie fast überall in Europa. Nur dass hier die -ohnehin etwas höheren- Hochschul-Studiengebühren sich jetzt fast verdreifachen: bis zu über 9.000 Pfund Sterling im Jahr dürfen die englischen Universitäten jetzt von ihren StudentInnen verlangen.  Das kann sich in diesen Krisenzeiten wirklich nicht jede(r) leisten, auch wenn die Privatschulen von Kindesbeinen an noch viel mehr kosten, und die amerikanischen Spitzenuniversitäten erst recht; mit letzteren wollen und müssen sich ja gerade Cambridge, Oxford, Imperial College und ein paar andere gute britische Hochschulen messen; dazu gehören u.a. natürlich auch Investitionen, und Professoren, die nicht mit  einer Vervielfachung ihrer Bezüge nach Übersee gelockt werden werden (die hiesigen bekommen nämlich gemeinhin gar nicht so viel bezahlt, wie man angesichts ihres Rufs glauben könnte).

Die kurze Emergency Debate drehte sich heute pro und contra folgende proposition: This House believes the Occupy Movement has failed. Dann als Hauptthema, wieder ein heißes Eisen:

This House believes Britain is still a Racist Country, darum ging es heute vor ca. 250 ZuhörerInnen, und ich muss sagen, es war die beste von den drei CUS-Debatten, die  ich in der Cambridge Union Society gehört habe; und zwar auf beiden Seiten, mit je vier Reden von je 8 Minuten, plus 1 Minute beiderseitiges Nachhaken.

Die einen, die sagen, ja, in Großbritannien gebe es nach wie vor einen geradezu institutionalisierten Rassismus; so seien auf gehobenen Posten, z.B. beim leitenden hiesigen Hochschulpersonal, nach wie vor nur kaum dunkelhäutige Engländer anzutreffen, sehr viele hingegen z.B. bei den Untersuchungshäftlingen…, und das müsse man  dauernd thematisieren, trotz aller Fortschritte, eben damit letztere weitergehen, wie dies seit den Siebziger Jahren der Fall sei.

Die  anderen (in der abschließenden Abstimmung klar die Mehrheit) betonen genau diese unleugbaren Fortschritte: man müsse doch auch mal das Positive sehen: da gebe es doch so vieles, was vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre: da könne man doch nicht behaupten, dass der Rassismus charakteristisch sei für Großbritannien, nein, das genaue Gegenteil sei der Falls: eine charakteristiche britische Eigenschaft sei  das sicher nicht mehr.

In Kontinentaleuropa sei das ja anders, die seien dort viel eher Rassisten. Faschisten sind eben immer die anderen, sag‘ ich ja…

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