Hitler und die Habenichtse

von macchiato

Hinter diesem zunächst etwas rätselhaften Titel verbirgt sich ein intensives Seminar von Brendan Simms, Prof. für die Geschichte der Internationalen Beziehungen am Department of Politics and International Studies hier in der Nähe. Da ging es um die außenpolitische Seite Hitlers. Diese sei in den vielen bisherigen Biographien eher unterbelichtet worden, meinte der Referent. Er analysiert Hunderte von Hitler-Reden und -Publikationen und versucht, daraus mehr herauszulesen als nur die pathologisch-monothematische Fixiertheit auf Antisemitismus und „Rassenhygiene“, z.B. die letztlich, wie Simms meint, eher antiwestliche als antiöstliche Stoßrichtung des deutschen und anderer Habenichtse gegen die „Plutokraten“ und „Parasiten“ an der Wall Street usw. Brendan Simms geht auch weiteren „strategischen“ Konstanten in Hitlers außen- und sicherheitspolitischem „Hammer- oder Amboss“- Denken nach, z.B. der Vorstellung von neuem „Lebensraum“ im Osten – während die Rückgewinnung zweisprachigen Lebensraums im Süden des deutschen Sprachraums (Südtirol), die einem gebürtigen Österreicher wohl viel vorrangiger hätte erscheinen können.

Passend dazu hatte ich mir für den Abend zum ersten Mal seit vielen Wochen den kleinen TV-Raum vorgemerkt. Denn BBC 2 brachte eine Dokumentation, die an fünf Beispielen zeigte, wie und wo die Kinder und Enkelkinder von Nazi-Größen mit diesem „Erbe“ fertig werden. Diese Nachkommen von Himmler, Franks, Göring usw. schienen mir immer noch stark gezeichnet von ihrem Familiennamen, und von allem, was damit zusammenhängt. Geht ja wohl kaum anders, bei halbwegs sensiblen und intelligenten Menschen – auch ohne „Sippenhaft“.

Heute fahre ich zuerst nach London zu einer Tagung über die Geschichte Italiens am Birkbeck College, und dann weiter nach Oxford und Reading, wovon ich mir dann wieder ein paar Notizen in dieses Tagebuch hineinschreiben werde.

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