Pentecost Sermon und Jesus Green Lido

von macchiato

Am heutigen, paradiesisch schönen Pfingstsonntag oblag es unserem Wolfson College Chor, den feierlichen Universitätsgottesdienst in der University Church of St Mary the Great in der Stadtmitte gegenüber dem King’s College mitzugestalten. Cambridge ist natürlich protestantisch, und d.h. hier anglikanisch, geprägt.

Aber so wie auch die theologische Fakultät hier -sie heißt Divinity, Gottheit- alle Formen des Glaubens an eine solche einbegreift, so hat sich natürlich auch dieser traditionelle Universitätsgottesdienst längst ökumenisiert, oder globalisiert, wenn man so will. Deshalb hielt die Predigt diesmal der katholische Erzbischof und apostolische Nuntius für Ägypten und die Arabische Liga Michael Fitzgerald, einer der maßgeblichen Leute für den interreligiösen Dialog, einschließlich Islam.

Diese Sermons before the University finden seit mehr als 700 Jahren statt; aber eben nicht mehr before der ganzen Universität, sondern nur mehr before einer halbvollen Kirche, und deshalb nur mehr sechsmal im Jahr statt wie früher wöchentlich. Keine Ahnung, woran die Briten inzwischen wirklich noch glauben. An Europa sicher nicht. An ihre Königin sicher schon (die steht ja merkwürdigerweise auch der Church of England vor). An ihre Souveränität und Überlegenheit, jedenfalls im Cricket? Ich vermute, hier glaubt man mehr als anderswo, und alles in allem auch ein Quäntchen erfolgreicher als anderswo, an die Tradition als Wert an sich.

Die Universität Cambridge sieht sich -wie fast alle wichtigen Einrichtungen Großbritanniens- der anglikanischen Staatsreligion verpflichtet. Aber als „Volksreligion“ kann man auch diese etwas erstarrt wirkende Variante des Christentums kaum mehr bezeichnen. Die allermeisten Briten, jedenfalls die hellhäutigen, wirken inzwischen ähnlich „verweltlicht“ wie die meisten Kontinentaleuropäer. Deren Art der radikalen Trennung zwischen Kirche und öffentlicher Hand ist ihnen allerdings fremd. Die Kirche ist eben etwas Altes, und Altes werfen die Briten höchst ungern weg, bevor es nicht ganz kaputt ist…

Bei den Chorproben versteht man als anderssprachiger Neuzugang nicht immer gleich alles, aber wenn man ein bisschen herumhört, dann geht’s bald dahin, zumal wenn wir nichts allzu Altenglisches singen, sondern z.B. die folgende ökumenische Hoffnungs-, Freiheits- und Friedensbotschaft von Christus, in dem sich alle Rassen begegnen, ihre alten Streitereien und Ängste vergessen, so dass sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen, und ihre Speere zu Winzermessern.

Christ is the world’s true Light

Its Captain of Salvation,

The Days are clear and bright

To every man and nation;

New life, new hope awakes,

Where’er men own his sway:

Freedom her bondage breaks,

And night is turned to day.

In Christ all races meet,

Their ancient feuds forgetting,

The whole round world complete,

From sunrise to its setting:

When Christ is throned as Lord,

Men shall forsake their fear,

to ploughshare beat the sword,

To pruning-hook the spear.

*

Dieses Wochenendwetter war so strahlend schön, wie es hier in England nur zweimal im Jahr sei, sagen die „Eingeborenen“. Also radelte ich -nach ein paar Fragen und einem Glasl Wein beim Erzbischof- zum Jesus Green Lido. Das ist das größte, genauer gesagt, das längste Freibad von Großbritannien: 100 Yard, also 94 Meter lang. 1925 gebaut, und so schaut es auch aus: ein bisschen spartanisch, aber passend für die zwei Dutzend Triathlon-Athleten der Universitätsmannschaft, die hier im Februar bei 14 Grad ihre Runden drehten. Einer hat hier schon mal 110 Längen geschafft…

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