Churchills Südtirol-Kommentar auf deutsch

von macchiato

Nachdem Winston Churchill seine Schuldigkeit als Kriegspremier getan hatte, haben ihn die Briten erst einmal abgewählt und andere mit dem Aufbau eines Wohlfahrtsstaats betraut. 1953 erhielt er den Nobelpreis für sein Werk „Der II.Weltkrieg“ – natürlich nicht den Friedens-, sondern den Literaturnobelpreis.

Wenn man so einen Wortgewaltigen vom Englischen ins Deutsche übersetzt, geht sehr viel verloren. Trotzdem hat es wohl Sinn, wenn ich im Folgenden auf besonderen Wunsch wenigstens Teile des am 27.7.1939 massenhaft vom Daily Mirror und dann auch weltweit verbreiteten „Südtirol-Kommentars“ von Winston Churchill vom Englisch dieses Nobelpreisträgers frei ins Deutsche zu übersetzen bzw. zusammenzufassen versuche:

Die Wehrmacht werde stetig auf Krieg getrimmt, sei bereits auf zwei Millionen Mann verstärkt, aber Berlin versichere, das seien „reine Verteidigungsvorbereitungen“. Deren einziges Ziel sei wohl „der Schutz des unschuldigen, friedliebenden Nazitums vor einem tödlichen Angriff von Polen, Dänemark, Holland, oder vielleicht vom Großherzogtum Luxemburg“, meint Churchill sarkastisch.

Ein „bedeutsames Signal“ komme nun vom Brennerpass, heißt es unter der Balkenüberschrift: „Hitler verkauft den Pass!“ Hellhöriger als so mancher sieht Churchill Hitlers Südtirol-Politik in einen größeren europäischen Zusammenhang:

„Je mehr über die Vereinbarung der deutschen und italienischen Diktatoren zur Zukunft Tirols durchsickert, desto besser verstehen wir, wie gespannt und schwerwiegend die Lage in Europa ist.“, so Churchill weiter. Wie es aussehe, habe Herr Hitler zugestimmt, die gesamte deutschsprachige Bevölkerung der Provinz Bozen entweder Großdeutschland oder Italien zuzuschlagen – damit ihre tausendjährige Heimat, die Täler und Berge dieser schönen Höhen, von Italienern bevölkert sei.

Mit diesem Schritt „opfert Hitler sein Herzblut“, so interpretiert das Churchill, und betont in Großbuchstaben diese besonders eklatante Widersprüchlichkeit in Hitlers Deutschtümelei:

DIE ENTWURZELUNG EINER DEUTSCHEN LANDBEVÖLKERUNG VON DER SCHOLLE IHRER GEBURT IST DIE TOTALE VERNEINUNG DESSEN, WAS ER ZUM ZENTRALEN SINN SEINES LEBENS ERKLÄRT HAT.

Das steht im frontalen Gegensatz zur intensivsten -abgesehen von der Hetze gegen Juden- Leidenschaft, die ihn angetrieben hat.

Dass er jetzt so weit geht, das zu tun, sollte nun auch einem Einfaltspinsel klarmachen, wie ernst er es meint, und wie entschlossen er ist, weiterzugehen auf dem Weg zur Unterwerfung des ganzen Kontinents.

Zu diesem Churchill-Kommentar über Hitler, Südtirol und Europa hier nur dieses: Nicht alle waren diesbezüglich so hellhörig wie er. Manche sind es noch heute nicht – besser gesagt, schon wieder nicht.  

Advertisements