Die beiden besten Biographen Hitlers und Mussolinis

von macchiato

Soeben von zwei Reisetagen zurückgekommen, die vom Regen und vom kalten Winde verweht waren; aber zum Lesen und Studieren geht’s gut. Gestern in Oxford zweieinhalb Stunden bei Richard J. Bosworth, dem australischen Mussolini-Biographen (aber sein letztes Buch handelt von Rom, und sein nächstes von Venedig). Mittagessen im Jesus College, dann Gespräch über die Vergleichbarkeit der Faschismen, und der Historiker-Kulturen; dazu habe ich am Schluss auch etwas auf Italienisch aufgenommen („il mio è un italiano cangurizzato“, scherzt Bosworth). Was er gesagt hat, werde ich transkribieren und dann hier widergeben bzw. „speichern“, wie ich das mit allen englischsprachigen Faschismus-Fchleuten hier mache.

Wieder in unserem „Schwester“-College St.Anthony’s übernachtet. Heute von Oxford aus per Interrail weitergefahren zum Hay-Festival an der Grenze zu Wales, ein Mekka der Buchautoren, und ihrer LeserInnen. Sie kommen zu Tausenden, bei jedem Wetter, um andere Bücherwürmer, aber vor allem ihre LieblingsautorInnen hier sehen, hören und kontaktieren zu können; sie zahlen gar einige Pfund für jede Lesung; sie  übernachten zum Teil in Zelten auf schlammigen Wiesen. Die paar Bed & Breakfasts im hübschen Dorf Hay-on-Wye selbst, noch die paar Hotels von Hereford (fast eine Fahrstunde entfernt) können sie unmöglich alle aufnehmen; sie sind alle schon ein Jahr vorher ausgebucht. Diese Verantaltung ist Kult unter den englischsprachigen BüchernärrInnen. „Woodstock of the mind“ hat sie Bill Clinton getauft. So mancher Autor stellt sein letzte Buch lieber hier vor als bei einer Cocktailparty in London.

Gut, dass ich meine Karte für die Buchvorstellung von Ian Kershaw schon vorher im Internet erstanden habe. „Ausverkauft“ steht nämlich schon eine halbe Stunde vorher am Eingang zu dem Zelt, in dem Ian Kershaw, der britische Historiker, dessen Bücher sich weltweit am besten verkaufen, so wird er vorgestellt. Seine dicke Hitler-Biographie gilt als die beste und wird auch im deutschen Sprachraum hoch geschätzt und viel gelesen.

Heute hören mindestens 1300 (!) Ticketinhaber zu, wie er sein Buch „The End“ präsentiert.  Darin geht Kershaw der Frage nach bzw. schlüsselt die verschiedensten Faktoren auf, warum so viele Deutsche auch noch ganz am Schluss, als der 2.Weltkrieg längst verloren war. Dafür gebe es nicht eine, sondern viele Erklärungen, so Kershaw. Mitentscheidend sei sicher gewesen, dass die damaligen führenden Kreise in Deutschland weder den Willen noch die Möglichkeit hatten, Hitler loszuwerden. In Italien hingegen sei es Mussolini eben nicht gelungen, ALLE Macht auf sich zu vereinen…

Ich habe Ian Kershaw das letzte Mal vor zwei bzw. drei Jahren im Deutschen Historischen Museum in Berlin gehört, bei der vorbereitenden wissenschaftlichen Tagung sowie bei der Abschlussveranstaltung zur meistbesuchten Sonderausstellung, die das DHM jemals gemacht hat: „Hitler und die Deutschen, Volksgemeinschaft und Verbrechen.“ Mit der Kuratorin Simone Erpel habe ich ein langes Gespräch geführt und aufgenommen.

Vorbildlich, wie das offizielle Deutschland am DHM in Berlin die deutsche Geschichte  in die europäische einbettet.

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