Sir Richard J. Evans

von macchiato

Respektvollen Glückwunsch, Sir Richard! Das hier ist einer von sehr vielen, die unserem College-Präsidenten in den kommenden Tagen gerade auch auf deutsch zukommen werden (neben einer Handvoll Verwünschungen, die er aber, wie ich ihn einschätze, nur als indirekte Komplimente an sich herankommen lassen wird). Richard John Evans hat und vermittelt unter anderem Ein- und Überblicke über die deutschen Geschichte des 19. und 20.Jahrhunderts, insbesondere des Dritten Reiches, wie kaum ein anderer Historiker weltweit.  

Prof. Evans wird, wie ich soeben bestätigt bekommen habe, von Königin Elisabeth II. zu einem ihrer verdienstvollen Ritter, oder ethymologisch genau genommen, „Knechte“ (Knights Bachelor) geadelt, in recognition of his service to scholarship.

Zum höchsten „Adel des Geistes“ hingegen gehört man natürlich schon lange, wenn man sich Regius Professor of History nennen darf. Dieser Titel besagt mehr als das jetzt hinzugekommene Sir: (nur) je eine solche „Königliche Geschichteprofessur“ gibt es in Cambridge und Oxford immerhin seit 1724 (also fast eineinhalb Jahrhunderte bevor ein deutscher oder italienischer Nationalstaat das Licht der Welt erblickte). Weitblickend stiftete George I. diese Regius Professorship, um Kenntnisse der europäischen Geschichte, und ausdrücklich auch der entsprechenden Sprachen, zu vertiefen.

Wie konkret der nunmehrige Sir Richard diesem historischen Auftrag gerecht wird (z.B. in seinem Büchlein Cosmopolitan islanders, British Historians and the European Continent, Cambridge University Press, 2009, auch als e-book erhältlich), das wissen seine StudentInnen am besten: wenn ich ihn richtig gehört habe, hatte er gerade dieser Tage 85 (!) schriftliche Arbeiten zur deutschen Geschichte zu bewerten.

Spätestens bis zur traditionellen College Garden Party zum Trimester-Ende morgen Nachmittag dürfte sich die Adelung von Richard J Evans unter allen -ca. tausend- Mitgliedern des Wolfson College, herumgesprochen haben – und ihren geheimen Stolz darauf bekräftigen,

dass Adel des Geistes an der Spitze, und innerhalb, des egalitärsten und kosmopolitischsten College von Cambridge auch auf königlicher Ebene hoch in Ehren gehalten wird.

Übrigens interessiert sich die britische Bevölkerung trotz (oder wegen?) Wirtschaftskrise erstaunlich stark für die insgesamt über tausend EmpfängerInnen der unterschiedlichsten Ehrungen, die auf der diesjährigen Queens Birthday Honours List stehen. Diese Liste ist momentan sogar bei weitem die meistbesuchte Webseite der weltweit populären Internet-Fassung der linksliberalen(sic !) Zeitung The Guardian: http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2012/jun/16/queens-birthday-honours-2012-list#start-of-comments

Das mag unter anderem daran liegen, dass 72 Prozent der Geehrten für ihr ehrenamtliche, wohltätige und soziale Verdienste ausgezeichnet werden. Schlagzeilen machen naturgemäß eher einige show business celebrities, von denen die Königin (auf Vorschlag einer vom Premierminister eingesetzten Kommission) halt auch anzunehmen hat, dass sie sich z.B. um Großbritanniens Außenhandelsbilanz verdient gemacht haben.

Zum Abschluss zu diesem Anlass noch dieser link
http://www.historytoday.com/daniel-snowman/richard-j-evans
Da hat diese populäre englische Zeitschrift Professor Richard J Evans bereits vor der jetzigen Ernennung zum knight unter Zuhilfenahme eben dieses Wortes porträtiert als one of the most prominent knights in the field to champion the honour and integrity of history against attack…

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