Ein beschwingter Sonntag zum Trimester-Ende

von macchiato

Während in Griechenland die zweite „Schicksalswahl“ dieses Jahres stattgefunden hat (die aber wohl auch nicht mehr Klarheit in unser Währungs-, Wirtschafts- und sonstiges Schicksal bringt als sonst irgendein Orakel), und während in der Ukraine und in Polen offenbar ähnlich bedeutungsschwangere Fußballspiele stattfinden (von dieser Europameisterschaft habe ich bisher fast nichts mitbekommen, weil ich den akademischen „Wettstreit“ hier ehrlich gesagt spannender finde), beginnt sich die Studenten- und Professorenschaft von Cambridge nach der vergangenen, besonders intensiven Prüfungswoche langsam zu entspannen, und als Visiting Fellow darf und soll man das eine oder andere, besonders das, was im eigenen College veranstaltet wird, auch miterleben und sich merken, was ich hiermit so tue:

The College Garden Party takes place this Sunday, 17 June, in the East Court from 3.00-5.00pm.
The Cambridge University Brass Band will play from 3.00-3.45pm and from 4.15-5.00pm. The College Choir, directed by Lynette Alcantara, will sing from 3.50-4.10pm in the Lee Hall.
Wine, strawberries and ginger beer will be served, and everyone is welcome.
If wet, the party will move indoors to the Club Room and the Seminar Room.

Dieser Einladung, die viele von uns natürlich an Mitglieder anderer Colleges weitergegeben haben (ich z.B. an Bekannte von der Cambridge Italian Society sowie der Chinese Classics Society), folgten heute schätzungsweise mindestens 400 Menschen, denn das Wetter von Cambridge -das schon Erasmus von Rotterdam irritiert hat- war heute endlich mal so, dass man sich zwischendurch gern im Freien aufhält.

Nur zu unserem Chor-Programm gingen alle, die Platz fanden, in die Lee Hall hinein:

Afton Water Scottish Trad. Arr Sir David Willcocks
The Turtle Dove English Trad. Arr Ralph Vaughan Williams
(soloist: Rupert Curwen)
Lilliburlero Irish Trad. Arr Sir Michael Tippett
Hail Poetry from Pirates of Penzance Sir Arthur Sullivan
(soloist: Rupert Curwen)
English Country Gardens Percy Grainger, freely arr. David Tall
The Blue Bird Charles Villiers Stanford
(soloist: Natalie Mayer-Hutchings)
Quick we have but a second Charles Villiers Stanford

Der Zungenbrecher-Text dieses letzten Lieds war für mich zu rasant, d.h. nur per play back-Technik u bewältigen…
Wunderschön (fast andächtig, passend für dieses Liebeslied) fand ich das zweite, das mit der Turteltaube.
In ein zusätzliches Abschied-vom-College-Lied hatte unsere Chorleiterin Lynette Alcantara in die letzte Textzeile eine ganz kleine aktuelle Änderung eingebaut, da war plötzlich von knighted professors die Rede, was unseren soeben geadelten Präsidenten zum Schmunzeln brachte…(siehe gestrigen Tagebucheintrag hier).

Es ist 19 Uhr 26! Ich muss jetzt schnell der folgenden -seit langem annoncierten- Einladung folgen; denn Andrew Goldman ist ein Bass-Sangesbruder und Klavierbegleiter unseres Chores:

The Mary Bevan Recital will be held in the Lee Hall at 7.30pm, also on Sunday 17 June.
The Recital is given by prize-winners of the 2012 CUMS Concerto Competition: joint-winner and Wolfson student Andrew Goldman (piano) and finalist Anne Denholm (harp). The Recital is sponsored by Professor Hugh Bevan (Honorary Fellow) in honour of his late wife Mary who was a Senior Member of the College. Everyone is welcome: admission is free for Wolfson members; non-Wolfson members £5 on the door. There will be a retiring collection towards a new grand piano for the Lee Hall.

Inzwischen ist es 22 Uhr geworden. Das war ein wunderbares Konzert. Deshalb schreibe ich mir hier Einzelheiten aus dem Programm ab, zunächst auch bemerkenswertes Biographisches zu den beiden Musikern: denn unser junger Pianist ist gleichzeitig Hirnforscher: Andrew Goldman is a pianist, composer and cognitive musicologist from San Diego, California. He graduated summa cum laude from the University of Southern California in Los Angelese with degrees in piano performance and neuroscience….He investigates the cognition of musical improvisation…teaches music theory…and organises a chess club. Und die Harfistin aus unserem Nachbarcollege Newnham ist erst 20 Jahre alt, aber bereits mehrfach preis- und von einem Auftritt in Buckingham Palace „gekrönt“ worden. So wie sie heute abend aufgespielt hat, würde es mich nicht wundern, wenn wir in Zukunft auch auf internationaler Ebene von ihr hören werden.
Und hier das sehr vielfältige Programm, das diese beiden heute abend geboten haben:

Béla Bartok (1881-1945) Out of Doors Suite, Sz.81-BB.89
I Avec tambours et fifres
III Musettes
Johannes Brahms (1833-1897) Three Intermezzi, Op. 117
(The first intermezzo of this set is prefaced by an excerpt from a Scottish lullaby)
Marcel Grandjany (1891-1975) Fantasisie sur un thème de J.Haydn
Ottorino Respighi (1879-1936) Siciliana
(trans. Marcel Grandjany)
Félix Godefroid (1818-1897) Etude de Concert
Paul Hindemith (1895-1963) Sonata for Harp
William Mathias (1934-1992) Improvisations for Harp
Ed Scolding (b. 1941) Hazes
Bernard Andrès (b. 1941) Duke
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonata No.18 in E-flat major, Op. 31 No. 3
Franz Schubert (1797-1828) The Trout

N.B. 1: The trout ist nicht identisch mit Il trota.  

N.B. 2: Inzwischen regnet es wieder.

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